Wer keine Null sein will, sollte keine Null vorne haben
Verkehrte Netzwelt: Baby, sei mein Versionsnummerngirl!
Moritz Zielenkewitz
Nichts ist so beständig wie der Wandel. Auch Software wird andauernd aktualisiert, macht Fortschritte und ihre Versionsnummer schwillt kontinuierlich an. Die Entwickler spucken große Töne, aber wer denkt an die Programme und ihre ganz eigenen Probleme mit der Größe?
Eigentlich sind diese Versionsnummern ja ein Geschenk des Himmels: Mit einem Blick kann man erkennen, wie weit das Programm ist und ob es auf der elektronischen Evolutionsleiter weiter hinaufgeklettert ist. Für die Entwickler ist eine solche Kennzahl sogar absolute Pflicht: Der Zustand einer Software muss anhand der Zahlenkombination stets dokumentierbar sein.
Graf Zahl hätte viel zu tun
Dabei nutzt jeder Hersteller sein eigenes System, obwohl natürlich einige Grundregeln existieren. Gute Fortschritte - dicke Brocken also oder Major Releases - bekommen stolz einen weiteren Zähler vor dem Punkt. Aktuelle Beispiele: Aus Internet Explorer 7 wird in wenigen Monaten Version 8, nach Vista werkelt Microsoft fleißig an Windows 7, kürzlich schaffte Wine nach vielen Jahren den Sprung auf 1.0.

Der Haken an der Sache: Was genau solch einen Major Release rechtfertigt, liegt im Auge es Betrachters und damit im Hirn des Entwicklerteams - oder noch schlimmer, in dem der Marketing-Abteilung. Wo der VLC Media Player aktuell mit einer ganzen Schubkarre voller neuen Funktionen die Zahl gerade einmal von 0.86 auf 0.92 hievt, warf damals die AOL-Zugangssoftware alle paar Monate eine neue wichtige Großversion auf den Markt - in Ermangelung echter Innovationen.
Der ist mir eine Nummer zu groß
Wie aber kommen die Programme selbst mit den ihnen aufgebürdeten Zahlenkolonnen zurecht? Kann der Windows Media Player 11 tatsächlich gegenüber Apples Quicktime 7 den Harten markieren? Und wird Google Chrome mit seiner sperrigen Version 0.2.149.30 von den anderen Programmen als schräger Vogel abgestempelt? Sind Alpha-Versionen auch Alpha-Tiere im Software-Revier oder heißt es dann nur abschätzig: "Da hinten kommt der Neue"?
Legt man bei dieser Beobachtung den Fakt zugrunde, dass auf dem Computer sich meistens die Programme verweigern, die eine Null vor dem Punkt stehen haben, scheint die Version tatsächlich einen Einfluss auf Status und Akzeptanz innerhalb des Systems zu haben. Nicht umsonst werden die einen als "stabil" bezeichnet, während andere mit einem Nasenrümpfen als "experimentell" gelten.
Falls diese Fährte richtig ist, muss es doch auch einen Software-König geben, oder? Wie im Tierreich. Eine kurze Recherche im Download-Archiv von netzwelt ergibt: Auf den McAfee SiteAdvisor und seine monströse Version 26.5 dürften so einige Kollegen neidisch sein. Wenn sich da nicht mal einer aus Frust einen tiefergelegten Trojaner zulegt...
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